Hilfe für Migrantinnen

Foto: ruurmo, Lizenz: CC BY-SA 2.0, Quelle: www.flickr.com

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„Kultur ist ein für uns alle geltender Hintergrund von etablierten und über Generationen überlieferten Sichtweisen, Werten, Ansichten und Haltungen, welche einerseits unser ganzes Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen, die wir andererseits aber in individueller wie auch kollektiver Weise übernehmen, modifizieren und weiterentwickeln und zwar in Abhängigkeit von unserer Teilhabe an unterschiedlichen Kontexten.“
(Falicov, 1995 nach Hegemann 2004)

Interkulturelle Situation

Unser Alltag im Frauenhaus ist geprägt durch Begegnungen mit Frauen und Kindern, die in unterschiedlicher Form psychische, physische und sexuelle Gewalterfahrungen gemacht haben. Sie haben materielle und soziale Verluste erlitten und traumatische Erlebnisse zu verkraften.

Bei der Beratung von Migrantinnen sehen wir uns mit weiteren Faktoren konfrontiert:

  • Äußerlichkeiten wie andere Kleidung und eine fremde Sprache
  • fremde Einstellungen und andere Werte
  • Einbürgerungsprozesse, die nicht immer freiwillig durchgemacht wurden und werden

Die Gruppe der Migrantinnen macht seit Jahren einen erheblichen und stetig steigenden Anteil der Schutz suchenden Frauen in unserem Haus aus. Wenn wir von „nichtdeutscher Herkunft“ sprechen, meinen wir damit die Sozialisation dieser Frauen, nicht ihre Staatsangehörigkeit, was richtungweisend für unsere Hilfsangebote ist.

Die Herkunftsländer sind vielfältig

Der Anteil der Frauen mit nichtdeutscher Herkunft betrug im Kalenderjahr 2012 monatlich bis zu 75%. Die Herkunftsländer dieser Frauen und Kinder sind vielfältig. Die Wurzeln reichen von Europa/Osteuropa über Asien und Afrika in den arabischen Raum bis hin nach Südamerika. Insgesamt ist diese Personengruppe als fester Bestandteil unserer Klientel zu betrachten.

Die Problematik ist vielschichtig

Der Aufenthaltstatus, massives Einmischen der Familie in die Entwicklung der Persönlichkeiten insbesondere der jungen Erwachsenen und gravierende Gewaltereignisse durch Ehepartner und Herkunftsfamilie sind große Themen. Ausbildung und Freiheit, Aspekte eines wirtschaftlich unabhängigen Lebens z.B. durch eigene Erwerbstätigkeit oder Ausbildungspläne sind dringende Anliegen im Personenkreis der Migrantinnen.

Junge Migrantinnen brauchen verstärkte Unterstützung

Bei den jungen Migrantinnen verstärkt sich der Bedarf an Unterstützung unserer Einrichtungen, da sie oftmals sehr unselbständig erzogen worden sind. Hier sind Unsicherheiten und Ängste in bezug auf das alltägliche und zukünftige Leben stark ausgeprägt. Einige der Frauen waren von Zwangsheirat betroffen bzw. bedroht. Der Betreuungsaufwand und auch das Sicherheitsbedürfnis sind in diesen Fällen sehr hoch. Die Frauen haben ein erhöhtes Schutzbedürfnis und benötigen häufig besondere Hilfen zur Überwindung der Gewalt und zur unmittelbaren Existenzsicherung. Gerade auch die Aspekte von Mutterschaft und Partnerschaft werden während des Aufenthalts in unserem Haus bearbeitet und sensibel begleitet.

Begleitung

Unsere Mitarbeiterinnen unterstützen Sie bei allen formellen Angelegenheiten. Der Kontakt zu Behörden, Ärzten, Schulen, Kindergärten usw. werden bei Bedarf und Notwendigkeit von uns begleitet.

Unsere sehr gute Zusammenarbeit mit Pro Asyl und dem Landkreis Diepholz hat immer dazu beitragen können, aufenthaltsrechtliche und ausländerrechtliche Fragen zu klären.

Im Sommer 2012 konnte eine Mitarbeiterin unseres Hauses die einjährige Weiterbildung zur Interkulturellen Beraterin mit Erfolg abschließen. Wir tragen damit der Tatsache Rechnung, dass eine Auseinandersetzung mit dem Fremden, dem Anderssein unabdingbarer Bestandteil unserer Leitgedanken und täglichen Arbeit sind.

Multikulturelles Bekenntnis: Wenn ich sage: “Du bist anders”, meine ich nicht: “Ich bin besser.”
Walter Ludin (*1945), Schweizer Journalist, Redakteur, Aphoristiker und Buchautor

Vermittlung

Voraussetzung für die Aufnahme ins Frauen- und Kinderschutzhaus ist die Möglichkeit, sich verständigen zu können. Im täglichen Miteinander reichen die Deutschkenntnisse oftmals aus, um die notwendigen Bedürfnisse zu befriedigen. Unsere Mitarbeiterinnen können englische und französische Sprachkenntnisse vorweisen. Im Einzelfall können wir heimatsprachliche Personen aus unseren Hauskontakten zu einer Besprechung hinzuziehen.

Dolmetscherdienste werden notwendig, wenn es sich um

  • aufenthaltsrechtliche Fragen,
  • Informationen über das Sorge- bzw. Umgangsrecht,
  • problematische Entscheidungen oder
  • psychische Krisen handelt.

Diese Dienste sind für die Betroffenen in der Regel kostenlos.

Besondere Bedürfnisse können manchmal besondere Angebote erforderlich machen. Aus diesem Grund arbeiten wir auch eng mit dem Verein Kargah e.V. in Hannover zusammen, der unseren Bewohnerinnen oder Hilfe suchenden Frauen mit Migrationshintergrund in extremen Notlagen weiter helfen kann.